- Noch ein Date -
Sonntags, in einem Café. Die Wohnung ist zu "nah". Erst muß der fremde Mann nicht mehr fremd sein, sonst ist Nähe nicht möglich. Wäre es nicht besser für eine Affaire, ihn nicht zu kennen? Nein, entspannend soll es sein. Wichtig zu wissen, wer da so nah wird, so körpernah und seelenfern.
Warme Sonne scheint durchs Fenster, neben einem interessanten Mann, die Ruhe geht spazieren.
Und da erfahre ich, daß er in einer Beziehung lebt. Daß er nie treu ist und immer irgendwann Frauen daneben hat. Und ich erfahre, daß die andere weiß, daß er hinter mir her ist.
Was soll ich jetzt davon halten? Was ist das für ein Mann? Will ich den so nah an mich dran lassen?
- Telefon -
Er kann so wunderbar schmeicheln. Das hört sich alles so gut an, so warm, so versprechend. Wow. Da hört es sich an, als wär diese 37jährige alte Schachtel eine Wahnsinnsfrau. Die einzige im gesamten Universum, die einem Mann weiche Knie machen kann... Ach, völlig wurscht, daß das nur hingeschmeichelt ist. Wer sich solche Mühe am Telefon gibt ...
- Der Haken -
Ich wußte, es hat einen Haken! Er ist ... verheiratet!
... aber sie hat auch einen Lover und sie wissen das voneinander, sie lieben sich können aber im Bett nicht ... blabla ...
Egal ob ich das jetzt glaube oder nicht - ich hab ein Problem. Es ist nicht ok, mit einem verheirateten Mann was anzufangen. Das ist das Problem. Und jetzt wo ich es weiß, müßte ich es beenden.
Ich könnte auch egoistisch sein. Ich liebe ihn ja nicht. Ich will ihn ja nur für Leib- und Seelenheil. Wie er sein Seelenheil in Ordnung hält geht mich ja nix an. Und seine Frau kenn ich ja nicht ...
Aber so ein Typ bin ich eben nicht. Ich ärgere mich schwarz. Wieso hab ich auch gefragt? Hätte ich nicht gefragt, hätte er es nicht erzählt, hätte ich es nicht gewußt, hätte ich kein schlechtes Gewissen, müßte ich jetzt nicht meinen Lover wieder weg schicken. Ich hab's grad mal gezählt: 5 "hätte" - das ist zu viel für einen Abend, dessen Tag schon beschissen war.
Ich bin ja schon am Haken ...
- Auswirkungen -
Das wirklich richtig Gute an ihm ist, daß ich mich endlich wieder als Frau fühle: attraktiv, begehrenswert, unwiderstehlich, ... oder so ähnlich. Und weil sich das so bombastisch gut anfühlt und ich die Männerblicke geniese, schick ich ihn nicht weg. Noch nicht. Obwohl ich das sollte. Aber eines weiß ich genau: nicht eine Sekunde würde ich zaudern und ihn abservieren, wenn der Mann vorbei schlendert, der besser aussieht, einen knackigeren Hintern hat, verheißungsvollere Blicke wirft, ... es wert sein könnte!