Die Geliebte

Bist du einmal in diese Geschichte hinein geraten zieht dich der Sog weiter und weiter

02 September 2005

Liebhaber und Geliebte

Was ich wollte war ein Liebhaber. Was ich jetzt bin ist Geliebte. Das war niemals vorgesehen in meinem naiven Plan.

So sollte das eigentlich aussehen: Mein Liebhaber und ich sind beide unabhängig, sehen uns, wann uns danach ist, schlafen miteinander, reden, sind uns nah. Gedanken kommen und gehen. Nichts ist verboten (außer Klammern), alles darf, nichts muß. Er tut mir gut, kennt meinen Körper, meine Wünsche, meine Phantasien und ich seine. Und all das so lange, wie es paßt und gut ist.

Und so sieht es tatsächlich aus: Der Mann, der ab und zu vorbei kommt, um mit mir zu schlafen, mich in seinen Armen zu halten, mir nah zu sein, ist verheiratet. Und nur deshalb habe ich jetzt einen Status, den ich nicht haben wollte. Ich warte geduldig, bis er Zeit hat. Ich stelle keine Fragen mehr, wenn ich mir nicht sicher bin, daß ich die Antwort auch hören will. Also frage ich nicht. Ich verdränge Gedanken an seine Frau. Und auch diesen lästigen Gedanken, daß er wahrscheinlich gelogen hat, als er sagte, sie wisse Bescheid. Ich versuche, ihn nicht in mein Herz zu lassen. Er ist für meinen Körper da und für meine Seele. Seelenbalsam. Es gelingt mir - noch.

Der Sog hat mich erfasst.